Dienstag, 30. Oktober 2007

Wer hat an der Weltzeituhr gedreht?

Um immer auf dem neuesten Stand des Projektes zu bleiben, gibt es jeden Tag um 9 Uhr Westküstenzeit ein Telefongespräch mit USA. Das ist ja bei acht Stunden Zeitverschiebung wenigstens recht stabil um 17 Uhr englischer Zeit.

Eigentlich. Denn irgendwie erschien das Telefonat diese Woche, und nur diese Woche, schon um 16 Uhr auf meinem Outlook-Kalender. Mal kurz in USA nachgefragt, aber da wurde nix an der 9 Uhr Westküstenzeit verändert. Große Verwirrung. - Hm, spinnt Outlook? Naja, ist ja von Microsoft, da könnte sowas ja schonmal passieren...

Nach einigem hin und her habe ich mal etwas eingehender mit dem Thema Sommerzeitumstellung beschäftigt. Und sie da, da findet sich auch gleich des Rätsels Lösung: Die Amis stellen ihre Uhren erst eine Woche später wieder auf normale Zeit um.

Also sind es sonst acht Stunden zwischen Seattle und London, nur diese eine Woche sieben. Aber wenn man dann diese Woche in Deutschland ist, sind es wegen der einen Stunde Zeitverschiebung zwischen Deutschland und England wieder acht. Aber nur diese Woche, sonst neun. Also ist das Telefonat diese Woche auch in Deutschland um 17 Uhr, obwohl es sonst immer um 18 Uhr wäre, weil es in Seattle ja um 9 ist. Ist doch eigentlich ganz einfach. :-D

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Wieder daha!

Mit dem Koffer bin ich heute morgen zur Arbeit und von da aus dann direkt weiter mit dem Bus zum Flughafen. Ich war pünktlich, der Flug hatte erstmal eine Stunde Verspätung. Nachdem mich meine Eltern dann vom Flughafen in Düsseldorf abgeholt und nach Hause gebracht hatten, blickte ich gegen Mitternacht in meinen traurig leeren Kühlschrank: Sollte der Kaffe morgen schwarz sein und mein Magen zum Frühstück knurren? Ne, lieber nicht! Also bin ich nochmal schnell zur Tanke und habe am Nachtschalter Milch, Toast und ein gutes, deutsches Pils bestellt. Die Kombi um die Uhrzeit hatte ich bisher auch noch nie, aber einmal ist ja immer das erste Mal ;-)

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Schalke vs. Chelsea

Da spielt Schalke schonmal in der Champions League und dann passenderweise auch noch gegen Chelsea: Perfekt! Von Deutschland aus war es ja scheinbar recht schwer an Karten zu kommen, aber hier in UK konnte ich ja nicht nur den Gästeblock, sondern alle verfügbaren Plätze im Stadion anvisieren. Und die Karten gabs auch noch zu einem für hiesige Verhältnisse humanen Preise von 35 Pfund. Also mal flugs gebucht und dann von der Arbeit aus ab Richtung London Mitte.

An der völlig überfüllten Tube Station traf ich dort meinen Ex-WG-Mitbewohner Mohammed. Mit ihm zusammen machte ich mit auf die Suche nach Laras Bruder, für den ich auch noch Karten besorgt hatte. Recht schnell war Volker gefunden (natürlich in der Nähe der Polizei) und wir konnten rein ins Stadion. Erster Eindruck: High Security und ziemlich eng. Das Stadion ist direkt in ein Wohngebiet gebaut, also haben sie die Tribünen mal so steil wie möglich gemacht und mit so vielen Sitzen zugepflastert, wie gerade noch draufpassen. War zwar eng, dafür hatten wir aber eine tolle Sicht.

Zum Spiel: Naja, das traurige Ergebnis kennen wir ja. Nach einem unglücklichen 1:0 innerhalb der ersten Minuten eierten die Schalker benommen über den Platz und mussten sich erstmal wieder sammeln. Trotz einiger Chancen gab es keinen Ausgleich, dafür direkt nach der Halbzeit das 2:0 für Chelsea.

An der mangelnden Unterstützung der Schalker Fans kann es nicht gelegen haben: Erfreulicher-, aber unverständlicherweise konnte man die Schalker Gesänge im ganzen Stadion hören, die in der deutlichen Mehrheit aufgetretenen Chelsea-Fans haben nur gesessen, gegessen und geguckt. Kein Wunder, dass die Chelsea-Anhänger in England auch versnobbte "Prawn-Sandwich-Fans" genannt werden: Sitzen auf ihren Plätzen, mümmeln an ihrem Krabben-Sandwich und wollen sich einfach nur unterhalten lassen. Die Schalker Fans dagegen hielten tapfer durch und haben auch nach dem 2:0 noch die ganze Zeit gestanden, gesungen und angefeuert. Das an die Chelsea-Fans gerichtete "You gotta sing when you're winning" ("Singt doch wenigstens, wenn ihr schon gewinnt") kam da gerade recht.

Achja, natürlich gab es auch noch "Ohne England, fahr'n wir zur EM", aber das haben die meisten Briten leider nicht verstanden. Eine lustige Szene noch auf dem Weg nach Hause: Ein Vater im Chelsea Trikot steht mit seinen Kindern vor der Tube und übt Fussball-Lieder. Was genau? "There were ten german Bombers in the air..." ;-)

Sonntag, 21. Oktober 2007

Schwarzes Sport-WE für England

Eigentlich fand ich es ja ganz praktisch, dass Lewis Hamilton vor zwei Wochen in China den Formel1-WM-Sack noch nicht zugemacht hat: Das Rennen hatte ich aufgrund der frühen Sendezeit leider verpasst und witterte so die Chance, mit den Briten zusammen die erste F1-WM seit 10 Jahren zu feiern. Aber irgendwie war es dann doch ein schwarzes Wochenende für den englischen Sport...

Mit ein paar Leuten aus dem StudiVZ hatte ich mich im Londoner SportsCafe verabredet, um das Rennen zu sehen. Überraschenderweise war die Anzahl von Alonso- und Hamilton-Fans dort recht ausgeglichen. Vielleicht waren doch noch ein paar wenige Briten ihrem Idol vom letzten Jahr treu geblieben, die meisten Einheimischen aber waren nach dem tollen WM-Auftakt des "Rookies" Hamilton in dessen Lager übergelaufen.

Kurz nach dem Start hatte der aber technische Probleme und fiel unter dem Johlen der Alonso-Fans auf den 19 Platz zurück. Mit jedem überholten Auto auf dem Weg nach vorn wurden dann die Hamilton-Fans wieder lauter, aber am Ende reichte dann doch alles hoffen nix mehr: Wenn zwei sich streiten, freut sich halt der Dritte und somit holte sich Kimi Raikonnen am Ende den Titel. Naja, wenigstens belegte Hamilton in der WM den zweiten Rang und konnte Alonso hinter sich lassen.

Das einzig Positive an der ganzen Geschichte: Wenigstens gab es keine Klopperei zwischen beiden Fan-Seiten, sondern respektablen, wenn auch gedämpften Applaus für den unerwarteten, neuen Weltmeister. Und unglaublicherweise konnten in dem Laden sogar 10-15 Leute die finnische Hymne mitsingen.

Warum jetzt genau ein schwarzes Sport-Wochenende für England? Naja, die Briten sind nicht nur an der Formel1-WM haarscharf vorbei geschlittert, sondern haben auch noch das Finale der Rugby-WM gegen Südafrika verloren. Bin mal gespannt auf die morgige Katerstimmung auf der Arbeit ;-)

Donnerstag, 18. Oktober 2007

Ofen in Flammen

Dass die Briten bevorzugt mit Gas kochen habe ich ja schon im letzten Jahr festgestellt und nach einer anfänglichen Verunsicherung doch schnell zu schätzen gelernt. Die Temperatur kann man auf diesem Weg schnell noch oben oder unten bekommen und Anbrennen ist (beinahe ;-) kein Thema mehr.

Heute wollte ich mir als... äh... kulinarische Köstlichkeit des Abends aber nur mal schnell eine Tiefkühl-Pizza in den Ofen schieben. Und was sehe ich da: Wir haben nicht nur einen Gasherd, sondern einen Gasofen. - Richtig, so wirklich mit großer Flamme an der hinteren Ofenwand und so :-) Also erstmal Gas aufgedreht, Zünder gedrückt und ein gemütliches Feuer im Ofen zum brennen gebracht.

Die deutsche Tiefkühlpizza mag es ja 10-15 Minuten bei 200°C Umluft. Demnach war ich erstmal etwas verzweifelt: Auf dem Gasknopf stand nur was von "Gasmark 1-7". Hm, wo bekommt man da nur die richtige Temperatur hin? Aber zum Glück hat mir ein Blick auf die Pizzaverpackung dann doch noch geholfen. Auf die britischen Gasöfen ausgerichtet, stand da auch dementsprechend "Gasmark 6, 18-20 Minutes". Keine Ahnung wie heiß das jetzt sein wird: Rein damit und abwarten. Wie es ausgeht, weiß ich dann in 10 Minuten...

Samstag, 13. Oktober 2007

Wohnungssuche

Puh, die Besichtigungen sind jetzt erstmal rum: Von alten viktorianischen Häusern in guten und schlechten Stadtteilen, recht zentralen Bruchbuden, typischen englischen Mittelstandshäusern und einer Wohnung in einem... hm... sagen wir Ghetto, war eigentlich alles dabei. Eines habe ich auf jeden Fall gelernt: Wenn ich bei irgendwelchen WG-Anzeigen den Grad meiner "Cleanliness" (Reinlichkeit) angeben muss, bin ich ab sofort definitiv nicht mehr "average" (Durchschnitt), sondern auf jeden Fall "clean" (sehr sauber). Irgendwie scheinen die internationalen Definitionen von Sauberkeit nicht unbedingt Deckungsgleich zu sein...

Zum Glück gab es aber auch Ausnahmen: In die finale Auswahl kamen dann eine rein deutsche WG, eine WG in Ealing (die perfekte Mitte zwischen Arbeit und London Zentrum) und ein gerade im Umbau befindliches Haus in West-Ealing. Da die Auswahlkandidaten aber leider nicht sofort frei & bezugsfertig waren, wie hier sonst meist üblich, musste ich mir also vorläufig was anderes suchen: In den nächsten Wochen bin ich erstmal wieder in Slough. Damit also leider wieder etwas weiter ab vom Schuss, dafür aber mit eigenem Bad, sauberen Haus, kurzem Fussweg zur Arbeit - und das alles zu einem für hiesige Verhältnisse erschwinglichen Preis.

Hier mal ein Foto meines Zimmers. Ist ein ziemlich altes Haus in einer typisch englischen Arbeitergegend, die mittlerweile eher muslimisch geprägt ist. Das Haus wurde wohl vor kurzem renoviert. Man beachte den Kamin - der ist aber leider nur noch Deko und nicht mehr funktionstüchtig ;-)

Mittwoch, 10. Oktober 2007

Hostel





Im Grunde genommen gibt es ja in allen Hostels die gleichen Sachen zu bemeckern: Zu enge Zimmer, zu kleine Duschräume... Das war für dieses Mal aber auch schon alles. Übers Internet hatte ich die "Palmers Lodge" gefunden, ein altes englisches Herrenhaus, das vor kurzem zu einem Hostel umfunktioniert wurde. - Nein, das hat jetzt nichts mit DEM Palmer zu tun. Zum Preis von 18 Pfund pro Nacht habe ich mich dort in ein 6er Zimmer eingemietet. Von außen hätte ich die Lodge dann beinahe übersehen, denn eigentlich ist das Haus viel zu schick für ein Hostel. In der Lobby geht das Ganze dann weiter, sieht eigentlich eher aus wie ein Hotel. Pluspunkt für meine Wohnungssuche von hier ist sicherlich das kostenlose WLAN - echt klasse, sich den nervigen Weg zu einem Internetcafe zu sparen. Das Frühstück ist im Preis übrigens schon mit drin und nicht zu verachten, ebenso das frischgezapfte Pint im Kellerpub :-)

Die Leute hier kommen aus allen Teilen der Welt: Auf meinem Zimmer sind bisher Australier, Kanadier, Schweden, Franzosen und Inder gewesen. Etwa die Hälfte davon sind Backpacker, die andere Hälfte sucht nach einem Zimmer in der Stadt. Langweilig wird es also kaum, irgendwer ist immer zum labern da: Ganze egal ob es um Tipps für die Wohnungssuche oder Reiseberichte geht.

Montag, 8. Oktober 2007

Angekommen

Nach etwa einer Stunde in der Tube bin ich heute so gegen 17 Uhr in meinem Hostel angekommen. Kurz frischgemacht und dann schon weiter: Geplantes Ziel der Wohnungssuche ist es ja diesmal, irgendwas Näher in Richtung London "Zone 1" zu finden. Also bin ich mal fix los, habe mir eine Handykarte besorgt und über das Hosteleigene WLAN die einschlägigen Webseiten wie z.B. Gumtree.com besucht.

Eine eigene Wohnung kommt hier in London aus Preisgründen nicht so wirklich in Frage, deswegen habe ich also erstmal alle angebotenen WGs abgeklappert. Im Gegensatz zu Deutschland ist die WG hier nicht nur ein typisches Studentending, sondern auch für die meisten Berufsanfänger und Arbeitenden bis Ende 30 der Standard. Das liegt an den jedes Jahr in neue Höhen aufsteigenden Wohnungspreisen. In den meisten Fällen teilen sich so also 3-8 Mitbewohner eine Küche, ein Wohnzimmer und ein oder zwei Bäder. Mit etwas Glück findet man ein Zimmer mit Ensuite, also eigenem Bad. Mein selbsterklärtes Traumziel :-)

Intro

Okay, ein bisschen Sebstironie darf wohl erlaubt sein und wenn "Stirb langsam" 4.0 darf, dann darf ich auch 2.0 :-) In den nächsten Wochen und Monaten gibt es hier mal wieder ein paar Neuigkeiten und Erfahrungen über meine zweite Zeit auf der Insel, diesmal um meine Diplomarbeit zu schreiben. Im Gegensatz zum letzten Jahr wird das Ganze aber nicht 6 Monate am Stück sein, sondern immer mal wieder mit kleinen Unterbrechungen. Im Moment sind jeweils 3 Wochen England und eine Woche Deutschland geplant, bin also nicht aus der Welt.

Falls sich irgendwer für meine Erlebnisse und Eindrücke interessiert, kann er gerne regelmäßig hier vorbeischauen. Und wer sich dafür interessiert und zu faul ist, ständig nach neuen Posting zu gucken (ich wäre da so ein Kandidat), der kann sich über jedes neue Posting per Email informieren lassen: http://filzhut.net/projects/london2.0/notify/.

Beste Grüße,
Daniel